Staatliche Kryptowährungen: Sieht so das Geld der Zukunft aus?

Bitcoin hat es bewiesen: Das Konzept der Kryptowährungen funktioniert. Werden digitale Währungen wie Bitcoin bald unser herkömmliches Geld ersetzen? Es spricht eine ganze Menge dafür. Denn weltweit arbeiten Notenbanken an eigenen, selbstverständlich staatlich kontrollierten Währungen, die ebenfalls als Blockchain arbeiten werden. Diese neuen Währungen werden in naher Zukunft unser herkömmliches Geld ersetzen. Das wird sehr viel schneller gehen, als die meisten von uns sich das vorstellen können. Wie weit ist der aktuelle Stand der Entwicklung, wie wird so eine staatliche Kryptowährung funktionieren und welche Chancen und Gefahren ergeben sich daraus?

Das neue Geld ist radikal anders

Das neue Geld wird sich von unserem herkömmlichen Geld unterscheiden. Es wird keinen Unterschied mehr zwischen Bargeld und Buchgeld mehr geben. Es wird sowohl das Bargeld als auch das Giralgeld auf unseren Girokonten ersetzen. Es wird wahrscheinlich auch Kreditkarten und Girokonten in ihrer jetzigen Formen obsolet machen und zum Verschwinden bringen.

Es wird kein Bargeld mehr geben

Eine wichtige Veränderung, die sich jetzt bereits anbahnt: Das neue Geld wird vollständig elektronisch sein. Es wird wahrscheinlich nur noch mit dem Smartphone oder anderen „Smart devices“ bezahlt werden. Das können zum Beispiel auch elektronische Schlüsselanhänger oder SmartWatches sein. Man kann die zahlungsfunktion in jeden Gegenstand integrieren, der groß genug ist, um einen NFC Chip und einen Mobilfunksender aufzunehmen. Selbst Implantate unter der Haut sind denkbar. Auch eine unsichtbare Tätowierung oder die Zahlung per Gesichtserkennung liegen im Bereich des Möglichen.

Wohin die Entwicklung geht, lässt sich heute in China schon beobachten. Noch vor zehn Jahren wurden die meisten Zahlungen dort in bar getätigt. Mittlerweile ist das Bargeld weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Auch Kreditkarten und Debitkarten werden im Alltag wenig verwendet. Stattdessen werden die meisten Zahlungen mit dem Smartphone getätigt. Dabei kommen hauptsächlich die Apps der beiden E-Commerce Riesen Tencent und Alibaba zum Einsatz.

Tencent betreibt Chinas Universalmessenger WeChat – eine Art Mischung aus Instagram, Paypal und Whatsapp. Überall im Alltag finden sich Preisschilder in Form von QR-Codes, die einfach mit der WeChat-App gescannt werden, um zu zahlen. Selbst Obst auf dem Markt wird auf diese Weise bezahlt und natürlich können sich die Chinesen auf diesem Weg auch untereinander Geld zukommen lassen. Natürlich hat die Staatsmacht jederzeit Zugriff auf alle Daten, die mit diesen Apps ausgetauscht und gesendet werden. Privatsphäre hat in China keinen großen Stellenwert.

Alle Zahlungsvorgänge sind vollständig transparent

Wie schon ausgeführt, wird jeder Bürger ein Wallet bekommen, das direkt von der Zentralbank herausgegeben wird. Alle Zahlungen werden über dieses Wallet abgewickelt. Daneben sind natürlich auch noch Unterkonten denkbar, auf denen zum Beispiel gespart werden kann oder langfristige Anlagen für die Altersversorgung getätigt werden. Alle Zahlungen finden direkt zwischen den Wallets statt – bei firmen ebenso wie bei Privatpersonen.

Es gibt also keine unterschiedlichen Konten bei Banken mehr. Alle Wallets werden von der Zentralbank eingerichtet und alle Zahlungen werden komplett über die Blockchain abgewickelt. Jeder Zahlungsvorgang ist dabei vollständig transparent und für immer in der Blockchain gespeichert und kann damit auch Jahre und Jahrzehnte später noch nachverfolgt werden. Die Wirtschaft wird damit vollständig transparent und auch das Konsumverhalten des einzelnen Bürgers wird damit vollständig nachvollziehbar

Herkömmliche Bankkonten werden überflüssig.

Die Rolle der Geschäftsbanken wird sich in diesem System radikal verändern. Die Banken werden kein eigenes Giralgeld mehr schöpfen können, sondern es wird sich wahrscheinlich um ein sogenanntes Vollgeldsystem handeln, indem die Banken nur noch Geld als Kredit vergeben können, das tatsächlich in Form von Kundeneinlagen existiert. Es wird seitens der Banken noch ein Einlagengeschäft geben – man zahlt also auf eine Art „Kryptosparbuch“ ein, die Bank muss dieses Geld dann verzinsen und kann es zu höheren Zinsen an Kreditnehmer weiterverleihen.

Allerdings ist nicht sicher, ob Banken für die Kreditvergabe noch benötigt werden. Schon heute gibt es Kreditmarktplätze wie z.B. Auxmoney.com, wo Kredite im Peer-to-Peer-Verfahren von Privat an Privat vergeben werden. Mit den neuen Kryptowährungen könnten diese dezentralen Plattformen die Banken auch in ihrer Funktion als Kreditvermittler ersetzen.

Es wird keine Kreditschöpfung durch Banken mehr geben

In unserem derzeitigen System können die Banken Kreditgeld aus dem nichts erschaffen. Wenn jemand zum Beispiel einen Dispokredit eingeräumt bekommt und sein Konto überzieht, so entsteht Kreditgeld, dass von der Bank quasi aus dem Nichts geschaffen wird und bei Rückzahlung der Schuld wieder verschwindet. Die Banken müssen nur wenige Prozent der als Kreditvergebenen Summen tatsächlich als Einlage besitzen. Damit gibt es in unserem alten System mehrere Arten von Geld: Bargeld, dass von der Zentralbank vergeben wird und Zentralbankgeld, dass Von den Zentralbanken an die Banken verliehen wird und für dass die Banken ihrerseits wieder Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegen müssen.

In Zukunft wird es wahrscheinlich nur noch die von der Zentralbank emittierte Kryptowährung geben. Der Staat wird damit die vollständige Kontrolle über das Geld haben. Die Banken werden ihre jetzige Machtposition weitestgehend verlieren.

Vorteile
  • Zahlungsvorgänge werden gebührenfrei sein und nicht mehr länger dauern als der Versand einer Email.
  • Die Kosten für die Herstellung und Aufbewahrung von Bargeld entfallen.
  • Diebstähle oder Raubüberfälle mit Bargeld als Beute werden unmöglich.
  • Schwarzarbeit wird extrem erschwert.
  • Steuerhinterziehung wird praktisch unmöglich. Steuern können direkt vom Wallet einbehalten werden
  • Inflation wird sehr genau reguliert werden können
  • Der Staat ist nicht mehr auf die Banken angewiesen
  • Es wird einen enormen Effizienzgewinn geben. AUch bei der Besteuerung.
  • Steuern können flexibel gestaltet werden und direkt zur Steuerung des Konsums verwendet werden.
Nachteile
  • Der Staat aber auch Unternehmen werden praktisch alles über unsere Wirtschaftliche Situation wissen.
  • Es gibt keinerlei finanzielle Privatsphäre.
  • Regierungsgegner können beliebig sanktioniert werden. Bis hin zu völligen Kontosperrungen.
  • Das Geldsystem kann durch Stromausfall oder elektronische Kriegführung lahmgelegt werden.

Wann könnten staatliche Digitalwährungen auf uns zukommen?

Diese drastischen Veränderungen in der Finanzsphäre hat bisher kaum jemand auf dem Schirm. Tatsächlich laufen die Vorbereitungen in immer mehr Ländern an. Die Europäische Zentralbank hat sich in einem umfangreichen Whitepaper Gedanken darüber gemacht, ob und wie digitales Geld sinnvoll sein könnte. Weiter gediehen sind die Überlegungen in Schweden und China.

  • Die Schwedische Reichsbank hat bereits die Ausgabe einer e-Krone beschlossen.
  • In China wird bereits ab dem kommenden Jahr in ausgewählten Regionen ein digitaler e-Yuan in der Praxis getestet.

Von der technischen Seite her dürfte es in schon in ein bis zwei Jahren erste funktionierende Systeme geben. Es ist durchaus möglich, dass digitale und analoge Währung einige Zeit parallel existieren werden, bis die alte Währung schließlich ganz aus dem Verkehr gezogen wird.

Kommt eine weltweite Währungsreform?

Sollte es – auch im Zuge der durch Corona ausgelösten wirtschaftlichen Verwerfungen in nächster Zeit zu einer neuen Finanzkrise kommen, so könnte eine Umstellung auch wesentlich schneller geschehen, als wir uns das derzeit vorstellen können.

Das neue digitale Geld könnte dann im Zuge einer weltweiten Währungsreform ausgegeben werden. Ich rechne damit, dass die Umstellung auf staatliche Digitalwährungen innerhalb der nächsten 5 Jahre Gestalt angenommen haben wird. Irgendwann im Verlauf des kommenden Jahrzehnts wird diese Transformation stattfinden. Man kann wohl mit Sicherheit davon ausgehen, dass unser gegenwärtiges Geld im Jahr 2030 verschwunden sein wird.

Parallel dazu wird das Bargeld schon vorher von Karten- und Handyzahlungen verdrängt werden. Zahlungen mit Bargeld sind bereits rückläufig, Zahlungen per Karte – oder per Smartphone – kontaktlos – sind auf dem Vormarsch. Corona hat auch diese Veränderung beschleunigt.

Hier sind einige Youtube-Videos mit weiterführenden Informationen.