Warum die Welt nach Corona nie mehr so sein wird wie zuvor.

Irgendwann wird Corona vorbei sein und dann wird alles wieder wie vorher. Das glauben immer noch die meisten Menschen. Tatsächlich wird unsere Welt nie wieder werden wie zuvor. Schon vor Corona standen wir vor einem gewaltigen Umbruch. Doch Covid-19 wirkt jetzt als Verstärker, der den ohnehin anstehenden Wandel beschleunigt. Veränderungen, die sonst noch einige Jahre gedauert hätten, finden jetzt binnen weniger Monate statt.

Es sind drei große Faktoren, die unsere Welt radikal verändern werden.

  • Digitalisierung
  • Klimaschutz
  • Globalisierung

Jeder dieser Einflüsse alleine hat das Potential, unser Leben radikal zu verändern. Normalerweise wären diese Veränderungen in den nächsten zehn bis 15 Jahren relativ langsam abgelaufen. Corona beschleunigt diese Abläufe jetzt drastisch.

Schauen wir uns die Veränderungen an, die diese drei Verwerfungen mit sich bringen.

Digitalisierung: Die 4. industrielle Revolution

Im Jahr 1776 gab es einen Wendepunkt in der Geschichte: Der Schotte James Watt entwickelte die erste effiziente Dampfmaschine. Diese Erfindung hatte Folgen, die bis heute nachwirken. Denn die Dampfmaschine ermöglichte die Industrialisierung. Jetzt war der Mensch erstmals nicht mehr nur auf Muskelkraft, Wind und Wasser angewiesen.

Die erste industrielle Revolution: Das Zeitalter der Dampfmaschine

Dampfmaschinen verändern die Welt: Das Industriezeitalter beginnt

Die Dampfmaschine wurde mit Kohle befeuert und ermöglichte es, mehr Kohle abzubauen. Indem sie zum Beispiel Pumpen antrieb, die eindringendes Grundwasser aus den Kohleschächten pumpten oder als Antrieb für Förderkörbe diente.

Dadurch kam ein sich selbst verstärkender Kreislauf in Gang. Mehr Dampfmaschinen ermöglichten es, mehr Kohle zu fördern. Damit konnte man mehr Eisen schmelzen und noch mehr Dampfmaschinen und andere Maschinen bauen.

Zum ersten mal in der Geschichte hatte der Mensch Zugriff auf fast unbegrenzte Mengen Energie.

1776: James Watt erfindet die Dampfmaschine und die Industrialisierung nimmt Fahrt auf.

Parallel entstanden Maschinen, die es ermöglichten, Dinge in großen Serien herzustellen. Zuvor wurden alle Produkte von Handwerkern manuell gefertigt. Die Dampfmaschine revolutionierte auch den Verkehr. Man baute Eisenbahnlinien und Schiffe waren jetzt mit Dampfkraft statt mit Segeln unterwegs. Wie massiv der Umbruch war, kann man an diesen beiden Bildern der Stadt Essen sehen:

Essen 1828 vor der Industrialisierung
Gut 30 Jahre später: Essen um 1865 von Osten

In nur dreißig Jahren verwandelt sich Essen von einer Kleinstadtidylle in einen Wald rauchender Schlote.

In den Städten entstanden riesige Industriegebiete. Das Ruhrgebiet wurde zum Zentrum der Kohle und Stahl-Industrie. Die Dampfmaschine war somit eine disruptive Technologie. Sie erhöhte die Produktivität und veränderte die Umwelt drastisch. Sie schuf einerseits Millionen neuer Jobs in den neu entstandenen Fabriken, machte andererseits aber auch viele Handwerker arbeitslos.

Der Übergang ins Industriezeitalter war etwa genauso einschneidend wie der Übergang vom Nomadentum zur seßhaften Landwirtschaft.

Mit der ersten industriellen Revolution kam eine gewaltige Lawine ins Rollen. Mit der neu zu Verfügung stehenden fossilen Energie aus Kohle wurden enorme Kräfte freigesetzt. Die kapitalistische Wirtschaft entstand und es kam zu einem raschen Wachstum. Nicht nur die Produktion, auch die Bevölkerungen wuchsen.

In Deutschland entstehen neue Technologien und die 2. industrielle Revolution beginnt.

1870: Bismarck gründet das Deutsche Reich. Die zweite Industrielle Revolution startet von Deutschland aus.

Etwa gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die zweite Industrielle Revolution. Quasi ein Upgrade zur ersten. Die Elektrizität wurde erforscht und praktisch verwendbar. Die chemische Industrie entstand und der Verbrennungsmotor erschien auf der Bildfläche. Telegrafenkabel ermöglichten schnelle Kommunikation über riesige Entfernungen. Die Welt rückte zusehends zusammen.

Gleichzeitig wurden die alten Industrien der ersten industriellen Revolution ins zweite Glied zurück gedrängt. Statt der Stahlindustrie, dem Bergbau und der Textilindustrie traten jetzt neue Branchen in den Vordergrund: Elektronindustrie, chemische Industrie, Maschinenbau waren jetzt die Branchen, die das Wachstum vorantrieben.

Neue Technologien verändern Landwirtschaft und Verkehr

Justus von Liebig revolutionierte die Landwirtschaft, indem er die Düngung von Pflanzen erforschte. In Folge entstand die Düngemittelindustrie. Werner von Siemens entwickelte den Generator. Carl Benz baute das erste Automobil. Nikolaus Otto entwickelte den nach ihm benannten Otto-Motor. In den USA erfand Thomas Edison die Glühbirne.

Führend bei fast allen diesen Techniken war das Deutsche Reich. 1870 gründete Otto von Bismarck den ersten deutschen Nationalstaat. Das neu gegründete Reich entwickelte sich rasant zu einer wirtschaftlichen Großmacht und wurde bis zur Jahrhundertwende zur größten Konkurrenz für das britische Empire.

1945: Das Atom- und Computerzeitalter beginnt. Die 3. industrielle Revolution nimmt ihren Lauf.

Kernspaltung, Computer, Luft- und Raumfahrt: Nach dem zweiten Weltkrieg beginnt die Dritte Industrielle Revolution.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Dritte industrielle Revolution. Mit der Kernspaltung und dem Bau des ersten Computers wurde das Tor zu einem weiteren ungeheuren Produktivitätsschub aufgestoßen. Mit der Kernenergie gab es einen völlig neuen Energieträger. Mit der Kernenergie steht der Menschheit erstmals fast unendlich Energie zur Verfügung.

Der Weltraum wurde mit neu entwickelten Raketen erobert. Bei elektronischen Bauteilen steigerte sich die Leistungsfähigkeit exponentiell, während gleichzeitig die Bauteile immer kleiner wurden.

Die Industrialisierung sorgt für Massenwohlstand

In Europa, Nordamerika, Australien und Japan kam es zu nie zuvor gesehenen Massenwohlstand. Computer ermöglichten den Bau von Industrierobotern, was in der Industrie sehr viele Arbeitsplätze kostete aber die Produktivität enorm erhöhte und die Kosten für viele Produkte weiter fallen ließ.

Das Zeitalter der Massenmotorisierung begann. Jetzt lösten mit Erdöl und Strom betriebene Verkehrsmittel die Dampfmaschine ab. Gleichzeitig entwickelte sich der Luftverkehr. Das Flugzeug machte jeden Ort auf dem Globus mühelos erreichbar.

Computer wurden kleiner und leistungsfähiger und eroberten immer neue Anwendungsbereiche. Schließlich fanden Sie den Weg in Privathaushalte. Endlich gab es mit dem PC einen universell verwendbaren Computer, der auch für kleine Unternehmen und private Anwender bezahl- und benutzbar war.

Die erste Internetverbindung

Schon 1969 wurde die erste Internetverbindung hergestellt. Niemand hat sich seinerzeit dafür interessiert, denn die Leute waren damals von der Raumfahrt gefesselt. Datenübertragung war ein Gebiet, für das sich nur wenige Spezialisten interessierten. Außerdem waren es nur eine Hand voll Universitätscomputer, die simple Textnachrichten austauschten. das war wenig spektakulär, verglichen mit der Mondlandung.

Erst 1990 entwickelte Tim Berners-Lee das Konzept des www, das World Wide Web. Das ist das Netzwerk, dass wir heute als „das Internet“ kennen. Damit war der Grundstein gelegt für die 4. industrielle Revolution. Und die ist gerade erst dabei, richtig Fahrt aufzunehmen.

Jetzt sind wir mitten in der 4. industriellen Revolution. Sie ist einschneidender als die voran gegangenen. Sie wird so disruptiv werden, wie die erste mit der Erfindung der Dampfmaschine. Denn diesmal übernehmen Maschinen geistige Tätigkeiten. Bisher waren es einfache Arbeitskräfte, die besonders betroffen waren, wenn neue Technologien Einzug hielten.

Dieses Mal ändert sich alles. Auch für Menschen, die hochspezialisierte Berufe haben. Ärzte, Anwälte, Ingenieure. Das Internet ist dabei, zu einem gigantischen, weltumspannenden Datennetz anzuwachsen, das mehr kann als nur Nachrichten zu verschicken.

Es begann mit einfachen Textnachrichten. Jetzt hat sich das Internet wie ein Spinnennetz in alle Lebensbereiche ausgebreitet. Mit dem Smartphone wurde das Netz mobil. Nicht nur PCs und Smartphone sind online. Auch Autos, Küchenmaschinen oder Beleuchtungen können sich vernetzen und ferngesteuert werden. Oder sich gegenseitig steuern.

Papier verschwindet zusehends aus unserem Leben. Dadurch wandern immer mehr Dinge aus der physischen Welt in die virtuelle Welt. Buchhaltung, Personalwesen, Archive: Alles wird digitalisiert.

  • Emails ersetzen Briefe.
  • Bankfilialien sind durch Onlinebanking überflüssig geworden.
  • Die Steuererklärung wird online eingereicht.
  • Patientenakten werden digital.
  • Autos, LKW und Busse kommen bald ohne Fahrer aus
  • Bargeld wird verschwinden
  • Züge fahren automatisch
  • Drohnen und autonome Roboterfahrzeuge werden bald Pakete aufliefern

Millionen von Jobs, deren Existenz selbstverständlich war, sind plötzlich in Gefahr. LKW und Busfahrer, Taxifahrer, Bankangestellte, Rezeptionisten, unzählige Verwaltungangestellte: Sie alle werden in Zukunft nicht mehr gebraucht.

Klimaschutz

Seit dem Beginn der Industrialisierung sind fossile Energieträger die wichtigste Energiequelle: Kohle, Öl, Gas. Wir haben im Laufe der letzten 250 Jahren riesige Mengen davon verbrannt. Und es wird immer mehr. Länder wie China und Indien entwickeln sich rapide. Bis zum Zweiten Weltkrieg verbrauchten Nordamerika, Europa und Australien den Großteil der fossilen Energie. Inzwischen sind viele neue Verbraucher dazu gekommen. Mit China und Indien sind gleich zwei Milliarden Menschen auf dem Weg in die Industrialisierung. Auch in Südostasien ist der Energieverbrauch dramatisch gestiegen. Deutschland trägt nur noch 3 % zum aktuellen weltweiten CO2-Ausstoß bei.

Der Lebensstandard steigt weltweit. Mit ihm steigt auch der Energiebedarf.

Bei jeder Verbrennung fossiler Energieträger entsteht Kohlendioxid (CO2). Das ist unvermeidlich. Kohlendioxid entsteht auch wenn Lebewesen atmen oder auf natürlichem Wege ein Feuer ausbricht. Allerdings hat sich der weltweite CO2-Ausstoß durch den Einfluss des Menschen dramatisch erhöht. Steigt der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre, so verändert sich das Klima. Es wird wärmer werden auf der Erde. Das Wetter wird generell unberechenbarer. Gletscher und Eis an den Polkappen schmelzen ab. Dadurch steigt der Meeresspiegel. Küstennahe Städte könnten überflutet werden.

Die negativen Folgen sind vielfältig:

  • Missernten und Nahrungsmittelknappheit
  • Dürren
  • Wassermangel
  • Überflutungen
  • Soziale Unruhen
  • Landverlust
  • Wanderungsbewegungen
  • Aussterben von Arten

Es gibt Wissenschaftler, die den Klimawandel bestreiten. Die Mehrheit sieht aber dringenden Handlungsbedarf.

Um den Klimawandel zu stoppen, müssen wir weltweit den CO2-Ausstoß senken. Es darf also möglichst wenig Kohle, Öl, Gas und Holz verbrannt werden. Nur dann kann es gelingen den C=2-Bedarf zu senken. Das bedeutet weniger Verkehr, effizienteren Transport, Verzicht auf unnötigen Energieverbrauch. Statt aus fossilen Energieträgern soll Energie aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen werden. Insbesondere Solarenergie und Windkraft.

Im Verkehrswesen soll Strom Benzin und Diesel ablösen.

Das Ende des Verbrennungsmotors ist beschlossene Sache. Weltweit bereiten Regierungen mit Gesetzen das Ende dieser Technologie vor. Elektromobilität ist die Zukunft. Das ist auch gut so, denn die Verbrennungsmotoren lassen sich nicht mehr wesentlich verbessern. Verbrennungsmotoren sind eine veraltete Technik, die kein weiteres Entwicklungspotential mehr bietet. Von Anfang an war der Elektromotor die bessere Alternative. Leider gab es lange Zeit keine Akkus, die leistungsfähig genug waren. Das hat sich jetzt geändert. Die Entwicklung immer besserer Akkus schreitet schnell voran und es absehbar, wann die letzten paar Kinderkrankheiten des Elektroautos Geschichte sind.

Corona zeigt, dass es auch mit weniger Verkehr geht.

Millionen von Arbeitsplätzen können in Heimarbeitsplätze umgewandelt werden. Das herkömmliche Bürogebäude ist längst überflüssig und nicht mehr zeitgemäß. Wozu sollen Menschen jeden Tag ins Büro fahren, wenn sie genauso effizient zu Hause arbeiten können? Ganze Bürogebäude könnten anderweitig genutzt werden. Oder auch ganz zurück gebaut werden.

Der Massentourismus ist durch Corona schwer geschädigt worden. Es ist fraglich ob er so wie wir ihn kennen, nach der Pandemie wiederkommen wird. Flugzeuge waren den Klimaschützern schon immer ein Dorn im Auge. Ich rechne damit, dass nach dem Ende der Pandemie weniger geflogen wird. Fliegen wird teurer werden und mehrmalige Fernreisen im Jahr wird es wohl nicht mehr geben.

Globalisierung

xx